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Super! Du hast dein Google Webprotokoll gelöscht. Jetzt tracken dich nur noch 598 andere Firmen.

Chip.de:

Wissen Sie eigentlich, was Google über Sie weiß? Jede einzelne Ihrer Suchanfragen wird gespeichert. Daraus zieht die Suchmaschine, wenn Sie angemeldet sind, Rückschlüsse auf Ihre Vorlieben und passt zukünftige Suchergebnisse daran an. Wenn am 1. März Googles neue Datenschutzbestimmungen in Kraft treten, werden Ihre gesammelten Suchanfragen und besuchten Webseiten auch für andere Google-Dienste wie YouTube und Google+ verwendet. Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie jetzt handeln.

Seit ein paar Tagen werde Artikel wie dieser auf Facebook mit einer Bestimmtheit geteilt, die man sonst nur sieht, wenn Katzenbabies entführt werden oder ein nigerianischer Geschäftsmann sein Erbe nach Europa übertragen muss. Der Link wird beim Teilen dann gerne mit Kommentaren, die man sonst eher aus dem Teleshopping kennt, wie “Jetzt handeln!” oder “Letzte Chance” versehen. Jeder, der schon gehandelt hat, seine letzte Chance genutzt hat und sich gemütlich zurückgelegt hat: AUF AUF! Google ist nicht die einzig böse Firma der Welt, auch hunderte anderer Firmen speichern jedes Bit an Information das sie über dich erhalten können.

Da wären zum einen Social Networks. Theoretisch (und wahrscheinlich auch praktisch) kann Facebook, Twitter und Google+ jede Webseite die ihr aufruft und auf der ein Share-Button eingebunden ist speichern. Aber das Facebook und Konsorten unheimlich böse Datenkraken sind, wissen wir schon länger. Noch viel böser sind Tracking Services. Diese bieten dir überhaupt keinen Mehrwert, speichern aber jeden Seitenaufruf und stellen dem Webseitenbetreiber dann übersichtliche Statistiken zur Verfügung. Am allerbösesten sind natürlich die Vermarkter. Sie pflastern die Webseite mit Werbung zu und tracken dich dann auch noch nebenbei.

Diese Dinge sind ein integraler Bestandteil des Webs. Webseitenbetreiber müssen Werbungen einbinden um ihre kostenlosen Angebote zu finanzieren und auch Statistiken sind wichtig um eine Internetseite warten und weiterentwickeln zu können. Daraus lässt sich zum Beispiel ablesen wie viele Benutzer einen bestimmten Browser benutzen und als Entwickler kann ich dann entscheiden ob meine Webseite für diesen Browser optimieren muss. Und das mit dem Social Networks haben wir uns echt selbst eingebrockt.

Problematisch wird das nur, wenn nicht der Webseitenbetreiber selbst die Werbung oder das Tracking in seine Seite einbindet, sondern damit einen externen Dienstleister beauftragt. Zum Beispiel binden derStandard, ORF.at und kurier.at einen Tracking Code von Real Media ein. Dadurch weiß nicht nur jede Seite einzeln welche Artikel wir lesen, sondern es gibt eine Firma die, zumindest theoretisch, weiß welche News wir auf allen Newsseiten lesen. Die Menge macht das Gift, wenn viele tausende Webseiten den selben Vermarkter oder Tracking-Service verwenden, kann dieser sehr viele Informationen über seine Besucher speichern. Das wahrscheinlich umfangreichste und am häufig genutzte Tracking Tool ist im übrigen Google Analytics. Es gibt kaum Seiten die es nicht einsetzen. Du wirst damit auch jetzt gerade, während du diesen Artikel liest getrackt.

Damit lässt sich natürlich kein FBI-Profil erstellen, es werden keine Namen, E-Mail-Adressen oder Telefonnummern gespeichert, mit der man eine Person identifizieren könnte. Das Tracking ist natürlich anonym und kann zB nicht genutzt werden um E-Mail-Werbung zuzusenden, allerdings ist es natürlich möglich aufgrund der bereits aufgerufenen Seiten eine bestimmte Werbung auf einer bestimmten Seite anzuzeigen.

Kann man dagegen etwas machen? Ja. Zum einen kann man permanent in den “Private Browsing”-Modus wechseln, allerdings gibt es immer noch Möglichkeiten dich zu tracken, wenn auch nicht mehr so genau und langfristig. Wesentlich effektiver sind Browser Plugins, die sämtliche Tracking-, Ad- und Social-Codes von einer Seite entfernen. Hier gibt es mittlerweile eine große Auswahl, ich benutze derzeit Do Not Track Plus. Es gibt aber zum Beispiel auch noch Do Not Track oder Ghostery.

Viel Spaß beim Weitersurfen.

Die Zahl 598 im Titel habe ich mir übrigens nicht aus den Fingern gezogen, das ist die Anzahl an Scripts die Ghostery derzeit entfernt.