Musik 4.0 [Update 5]

Vorhin habe ich, als ich auf den Artikel von Herr Shhhh hingewiesen habe, Musik 2.0 in der Überschrift verwendet. Bei längerem nachdenken musste ich allerdings feststellen, dass das falsch ist. Wenn man Musik schon in Softwareversionen einteilen will, müsste man es ungefähr so machen:

  • Musik 1.0: Mittelalter (nur “Live”, keine Aufnahmen)
  • Musik 2.0: Vinyl
  • Musik 3.0: CD
  • Musik 3.5: CD + “verkrüppelte” (also mit DRM) Musikdownloads

Was ist jetzt also Musik 4.0? Das sind die aktuellen Entwicklungen die von Bands wie Radiohead oder Nine Inch Nails vorangetrieben werden.

Bei der ganzen Freude das Bands ihre Musik gratis online stellen und das Geld über Mega-Deluxe-Special-Editions verdienen darf man allerdings nicht vergessen das dieses Konzept nur bei einem kleinen Teil von Bands funktioniert. Sozusagen bei den Apples unter den Musikern. Bands mit vielen Hardcore-Fanboys, die eben $300 für die Über-Special-Edition einer CD ausgeben.

Ich sammel jetzt einfach mal ein paar Ideen für mögliche Konzepte der Musik 4.0:

  • “Mega-Fanboyism”: Bekannte Bands stellen ihre Musik gratis online und für die echten Fans gibt es Special Editions mit jeder Menge Extras. Beispiele dafür sind Radiohead’s In Rainbows oder Nine Inch Nails Ghosts I-IV.
  • Sponsoring: Ein Album wird normal auf CD verkauft und zusätzlich auf der Seite eines anderen Mediums (zB Online Musikmagazin) angeboten. Das Medium finanziert das durch Werbung, aber ich glaube nicht das es funktionieren würde wenn eine Band ihr Album auf ihrer Homepage gratis anbieten würde und mit Werbung das große Geld machen will. Ein Beispiel wäre You Cross My Path von The Charalatans (via). Allerdings muss die Band ähnlich wie beim Fanboy-Konzept schon bekannt sein.
  • Download-Kaution: Ich kaufe mir ein Album als MP3 für einen gewissen Betrag (ich denke der sollte irgendwo zwischen 5 und 10 Euro liegen, aber eher bei 5) wenn mir das Album gefällt kauf ich es mir auch auf CD und bekomme den Betrag den ich für die MP3s gezahlt habe zurück. Ich zahle also statt √¢‚Äö¬¨15 nur √¢‚Äö¬¨10 für die CD. Geht natürlich auch bei Vinyl. Beispiele gibts dafür noch keine (vielleicht sollte ich es patentieren lassen?).
  • Gratis Download zum Kauf: Ich kaufe mir eine CD und kann mir das Album aber auch gratis herunterladen. Gewinnt vor allem durch WLAN fähige MP3-Player und Musikhandys an Bedeutung. Das Konzept wurde von Bands wie Radiohead und den Nine Inch Nails schon angewendet.
  • Konzert/CD-Kombis Sollte eigentlich klar sein, wird auch schon ab und zu angewendet.

Alle von mir oben genannten Konzepte funktionieren aber nur bei bekannten Bands bzw. bei Bands die schon einen Plattenvertrag besitzen. Die Frage ist natürlich ob auch kleine, unbekannte Bands ohne Plattenvertrag von der Musik 4.0 profitieren können. Meine Antwort lautet klar: Ja.

Amie Street hat zum Beispiel ein sehr interessantes Konzept. Wird ein neues Album bzw. Song bei Amie Street eingestellt ist es/er zunächst gratis, aber der Preis steigt bei jedem Download auf bis zu 0,98 cent. Ein hoher Preis signalisiert also, dass den Höhrern das Album bzw. der Song gefällt. Auch mit last.fm kann eine Band ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Allerdings müsste last.fm dazu einige neue Funktionen einfügen damit das effektiv möglich ist.

Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass man nur mit MySpace bekannt werden kann. Es ist aber durchaus möglich über MySpace Kontakte zu (Indie-)Labels, Konzertveranstaltern und anderen Bands aufzubauen.

Wie sich die Musikindustrie aber tatsächlich entwickelt, kann man vermutlich nicht genau vorraussagen. Es gibt zahlreiche interessante Konzepte die funktionen können. Aber es liegt Schluss endlich einerseits an der Musikindustrie die das Risiko ihr Konzept zu ändern auf sich nehmen müssen und andererseits an den Kunden der die neuen Konzepte auch annehmen muss.

Update: René schreibt auch seinen Senf zum Thema Zukunft der Musikindustrie.

Update 2: Nicht nur die Musikindustrie auch andere Medium müssen ihr Geschäftsmodell ändern. Das Fernsehen zum Beispiel. Und auch hier gibt es schon interessante Experimente. Ein norwegischer Fernsehsender stellt seine Programme auch über BitTorrent zur Verfügung:

But what about losing control of the content? After all, that’s the primary reason movie studios and TV networks in the US employ DRM√¢‚Ǩ‚Äùnot to prevent piracy, but to ensure that they get to decide how the public uses it. Solheim counters that NRK was giving up control it never really had. “We gave up control of our content the day we started broadcasting.”

Norwegian broadcaster: P2P experiment “extremely positive”. via.

Update 3: Die Zukunft des Radios in einem eigenen Artikel. Außerdem habe ich die Kassette vergessen. Ich denke aber das man diese problemlos als Musik 2.5 einordnen kann. Im Prinzip Vinyl auf klein und zum mitnehmen (das würde auch auf die CD zutreffen, aber ich denke das dies ein größerer Meilenstein war). P2P und Tauschbörsen habe ich komplett wegglassen, was mir leid tut, ich werde das Thema später in einem eigenen Artikel behandeln. Für diesen Moment nur so viel: Tauschebörsen gab es schon vor legalen MP3-Shops, müssen daher noch vor Musik 3.5 eingeordnet werden. Illegale Tauschbörsen werden aber auch noch in die √É‚Äûra Musik 4.0 hineinreichen. Die Legalisierung der Tauschbörsen habe ich ganz bewusst in dem Artikel nicht angeschnitten, einfach weil ich glaube das die Industrie noch nicht reif dafür ist, auch wenn die Kunden es schon lange sind. Das wird dann Musik 5.0. Irgendwann.

Update 4 (04.03.2008 23:44): Fehlerkorrekturen

Update 5 (05.03.2008 13:53): Weitere Anmerkungen mit dem Thema: Zukunft von Konzerten und Merchandise.

11 thoughts on “Musik 4.0 [Update 5]

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  2. du hast bei deiner Versionsrechnung das Radio vergessen….
    und die Idee mit der Geldrückzahlung bzw. Gutschrift solltest du dir wirklich patentieren lassen (wobei 5 Euro sicher schon die Schmerzgrenze für viele darstelllt)

    lg
    mo

  3. das radio ist, meiner meinung nach, parallel zu den von mir genannten medien gelaufen. auch die kassette hab ich absichtlich weggelassen.

  4. wenns absichtlich war, dann gut.
    aber wenn du vom live-charakter direkt auf die fixierung (auf einem medium) springst, fehlt mir da rein gefühlsmäßig eine Version, außerdem ist das Radio zwar gaga, aber noch nicht tot.

  5. da hast du recht, radio ist noch nicht tot. ich glaube aber auch das radio neben mp3s, cds und was auch immer noch kommen wird. wobei sich natürlich hinter der idee des radios ändern kann, also statt über radiowellen könnten radioprogramme auch über umts, etc übertragen werden.

  6. das radio (und nein, ich arbeite nicht dort, sondern hab das medium für mich kürzlich wiederentdeckt) hat sich ja im ganzen 2.0er hype ja eh schon neu orientieren lassen – ich glaub, dass das auch in deiner versiongeschichte eine rolle spielt vor allem hinstichtlich vermarktung.
    frage diesbezüglich: weil du das live-ereignis als version 1 genommen hast, wie schauts da aus? ist das ein rückschritt? da ja “live” gerade sehr boomt?

  7. ich habe “live”-musik angeführt weil es die erste form der musikdistribution war. heutzutage ist livemusik nicht mehr die einzige form, aber immer noch wichtig. aber eben nicht mehr die einzige, deshalb hat sie einen anderen stellenwert.

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