Tag Archives: copyright

Peter Moore von EA Sports hält nichts von Klagen gegen die eigenen Kunden

Endlich mal einer aus der Contentindustrie der zumindest Ansatzweise das 21. Jahrhundert versteht:

“Ich bin kein sonderlicher Freund davon, die eigenen Kunden zu bestrafen”, so Moore im O-Ton. Das Downloaden von Spielen aus Tauschbören, klassifiziert er zwar selbst auch eindeutig als “Diebstahl”, die Industrie müsse aber bessere Lösungen für dieses Problem finden, als immer nur mit dem Gericht zu drohen.

Link zum Standard-Artikel.

Neues von der Axes of Evil: Hard-Drive-Partys

Hard-Drive-Partys, so heißt das neue Schreckgespenst der Musikindustrie. Hinter diesem Begriff verbergen sich Partys, bei denen die Gäste den Inhalt ihrer mobilen Festplatten austauschen. Und das können ohne weiteres 500 Gigabyte werden, denn so groß sind mittlerweile handliche und kostengünstige Geräte. Zehntausende oder sogar Hundertausende Songs wechseln dann mitunter den Besitzer.

Diese Partys gabs bei uns auch immer. Jeden Tag. Hieß Schule.

Artikel in der Süddeutschen. via.

Ars Electronica Festival 2008: A New Cultural Economy

Wer zwischen 4. und 9. September in Linz ist, sollte unbedingt die Ars Electronica besuchen, Thema diesmal: “A New Cultural Economy”.

Und wenn der künstlerische Direktor Sachen wie diese sagt, dann kann das nur großartig werden:

Es ist dringend notwendig, den Bereich des Urheberrechts, des Copyrights und der Patente neu zu ordnen, denn die dafür gültigen gesetzlichen Grundlagen stammen aus dem vergangenen Jahrhundert.

[...]

Das Zeitalter von Copyright und geistigem Eigentum ist abgelaufen.

Artikel “Wer nicht offen ist, stirbt aus” in der Futurezone.

Ach ja, und die Wikipedia ganz allgemein über die Ars Electronica:

Es ist das international bedeutendste Festival der digitalen Kunst, das Trends und langfristige Entwicklungen zukunftsorientiert in Form künstlerischer Werke, Diskussionsforen und wissenschaftlicher Begleitung vorstellt. Link.

RIAA schließt Muxtape – vorläufig

Muxtape, der Dienst der es erlaubt online Mixtapes (vorher auf Web Adventures) zu erstellen ist vorläufig down. Also auch das Web Adventures Mixtape ist derzeit nicht verfügbar, der Link bleibt derzeit drinnen, vielleicht geht Muxtape ja wieder online.

Muxtape will be unavailable for a brief period while we sort out a problem with the RIAA.

via.

Verlängerung der Schutzfristen für Tonaufnahmen

Die Futurezone hat ein Interview mit dem Urheberrechtsexperten Martin Kretschmer und dem Kulturökonomen Paul Stepan bezüglich der geplanten Verlängerung der Schutzfristen für Tonaufnahmen geführt. Letzten Mittwoch hat die EU-Kommission einen entsprechenden Richtlinienvorschlag verabschieded. Link:

ORF.at: Welche Auswirkungen hat die längere Schutzfrist auf die künftige Verwendung alter Tonaufnahmen, die nach der derzeit geltenden Regelung schon bald nicht mehr geschützt wären, etwa für Remixes, Samples oder Kompilationen?
Kretschmer und Stepan: Die Folgen einer Verlängerung sind vielfältig. Sie treffen nicht nur alle KonsumentInnen durch erhöhte Preise, sondern auch Rundfunkstationen und vor allem die Kreativen selbst. Der teuerste Nebeneffekt, den das Urheberrecht und die Leistungsschutzrechte verursachen, sind die so genannten Transaktionskosten, also Kosten, die durch die Klärung der Rechte, durch das Aushandeln der jeweiligen Verträge und durch Rechtsanwaltskosten entstehen.

Für viele Kreative sind genau diese Kosten der Grund, weshalb sie lieber nicht mit geschützten Materialien arbeiten, auch wenn sie diese weiterentwickeln wollen oder Derivate herstellen wollen. Das trifft insbesondere die Verwendung von Teilen von Werken für Remix oder die Kompilierung von Samplern. In vielen Fällen ist alleine die Klärung der Rechte bereits so aufwändig, dass nicht einmal der Versuch dazu unternommen wird, obwohl die Rechteinhaber eventuell erfreut und nicht einmal eine Entschädigung verlangen würden.

Seit Beginn der Diskussionen um Immaterialgüterrechte vor drei Jahrhunderten wusste bereits Adam Smith, dass diese Rechte nicht nur Anreize darstellen, kreativ und innovativ tätig zu werden, sondern dass sie gleichzeitig auch als Innovationsbremse fungieren. Hier die richtige Balance zu finden, ist Aufgabe der Politik. Dieses Verhältnis zu Gunsten der Musikindustrie zu kippen, ist Aufgabe von LobbyistInnen.

In 5 Jahren sind die Beatles frei

Derzeit beträgt in Europa die Schutzfrist für Tonaufnahmen 50 Jahre und deswegen wäre 2013 das erste Beatles-Album Please Please Me frei von UrheberrechtenLeistungsschutzrechten (siehe Update unten). Und ein Jahr später wäre auch das selbst-betitelte Debütalbum der Rolling Stones frei.

Allerdings gibt es Kräfte in der EU (vermutlich getrieben durch die Plattenfirmen) die die Schutzfristen von 50 Jahren auf 95 Jahre erhöhen wollen:

Im Februar kündigte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy an, die Schutzfristen für Tonaufnahmen in der EU um 45 Jahre verlängern zu wollen. Am Mittwoch steht das Thema auf der Agenda der EU-Kommission. Stimmt die Kommmission McCreevys Vorschlag zu, dann würden Tonaufnahmen künftig in Europa ebenso lange geschützt sein wie in den USA, nämlich 95 Jahre

Aber:

Eine Verlängerung der Schutzfristen würde nur multinationalen Musikkonzernen zugute kommen, die auf umfangreichen Back-Katalogen sitzen, meinen hingegen Kritiker.

Die Schutzfristenverlängerung würde Kreativität und Innovation in Europa irreperablen Schaden zufügen, kritisierten europäische Urheberrechtsexperten in einem offen Brief an EU-Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso im Juni und warnten die Kommission vor einem “Kotau an die multinationale Tonträgerindustrie”.

Gegen dieses Vorhaben gibt es auch eine Petition, die man auf jeden Fall unterstützen sollte. via.

Update: René berichtet auch darüber und stellt fest das es sonst niemand tut. Sicher, das Telekom-Paket ist gefährlicher, aber als unwichtig würde ich diese Entscheidung auch nicht einstufen.

Update 2: Hier eine kleine Liste mit bekannten Werken, die in “nächster Zeit” urheberrechtsleistungsschutzfrei sein würden:

Update 3: Ich war da wohl etwas übereifrig. Nach 50 Jahren ab Veröffentlichung laufen nicht die Urheberrechte, sondern die Leistungsschutzrechte ab.

Da die Herstellung von Ton- bzw. Filmträgern dem Kulturleben dient, aber ein hohes wirtschaftliches Risiko erfordert, möchte man die Hersteller vor der Nachbildung und Kopie der Ton- bzw. Filmträger schützen. Ihnen steht daher über das Urheberrecht ein ausschließliches Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht zu. Filmhersteller haben außerdem ein ausschließliches Recht zur öffentlichen Vorführung oder Funksendung. Sie können außerdem jede Entstellung oder Kürzung verbieten, die ihre berechtigten Interessen gefährdet. Link.

Das Urheberrecht gilt noch bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers. Ich habe mich dann gefragt was denn jetzt genau der Unterschied zwischen Urheber- und Leistungsschutzrecht ist und bin ein einem PDF auch fündig geworden:

Urheber ist derjenige, der ein Werk erschafft (√Ç¬ß 7 UrhG: √¢‚Ǩ≈æUrheber ist der Schöpfer des Werkes√¢‚Ǩ≈ì). Vereinfacht gesagt gehört zum Urheber respektive zum Urheberrecht eine kreative, eigenschöpferische Leistung. Das Leistungsschutzrecht ist das Recht des ausübenden Künstlers. Ausübender Künstler ist, wer ein Werk vorträgt oder aufführt oder bei dem Vortrag oder bei der Aufführung eines Werks künstlerisch mitwirkt (√Ç¬ß 73 UrhG). Auch hier kann man vereinfacht sagen: Das Leistungsschutzrecht wird für eine (rein) darstellerische, reproduzierende Tätigkeit gewährt.

Für mich heißt das soviel: Das Urheberrecht liegt beim kreativen Schöpfer, weil er der Urheber eines Werks ist und das würde bedeuten das ab dem 23. März 2013 nur mehr Paul McCartney und John Lennon Geld für zB Love Me Do bekämen würden (die zwei haben den Song geschrieben), während George Harrison und Ringo Starr leer ausgehen würden, denn die zwei haben den Titel nur reproduziert, also aufgenommen. Und natürlich würden auch die Plattenfirmen nichts mehr bekommen.

Habe ich das richtig verstanden? Funktioniert das mit Leistungsschutz- und Urheberrecht so?

Übrigens, mittlerweile berichtet auch Heise darüber. via.

Beweise? Sowas brauchen WIR nicht

The Motion Picture Association of America said Friday intellectual-property holders should have the right to collect damages, perhaps as much as $150,000 per copyright violation, without having to prove infringement.

Link. via.

Der Zoll und mein IPod

Ok zitierie hier einfach mal die Futurezone:

Hinter verschlossenen Türen verhandeln EU-Kommission und US-Behörden über ein neues Copyright-Abkommen, das Tauschbörsenbenutzer kriminalisiert. Zoll und andere Behörden sollen auch in Europa anlasslos Laptops, iPods und andere Datenträger nach “illegalen” Inhalten durchsuchen können.

Auch gut:

Eine ebensolche Passage hatte das EU-Parlament 2007 mit großer Mehrheit aus IPRED2 [Intellectual Property Rights Enforcement Directive 2] entfernt.

Das wiederum passte einer Anzahl von EU-Mitgliedsstaaten, in denen internationale Unterhaltungs- und Medienkonzerne beheimatet sind, nicht ins Geschäft, weshalb im Rat in punkto IPRED2 ein Jahr lang so gut wie nichts weiterging.

Aus diesem Grunde wurde der aus den USA kommende Vorstoß über die G8-Staaten von maßgeblichen EU-Mitgliedern unterstützt.

Sollte der ACTA-Vertrag wie geplant der Verabschiedung von IPRED2 zuvorkommen, wären sämtliche Abänderungen der EU-Parlamentarier obsolet.

Die unter den großen acht vetretenen EU-Mitglieder Deutschland [Bertelsmann], Frankreich [Vivendi Universal] und Großbritannien [Virgin, EMI] haben nun einmal andere wirtschaftliche Interessen als etwa die G8-Nichtmitglieder wie Bulgarien, Österreich und Dänemark, die über keinen derartigen Mediengroßkonzern verfügen.

Ich kommentiere das einfach mal nicht. Auch wenn das wohl etwas ernster zu nehmen ist als die Urheberrechtsabgabe von vor ein paar Tagen (die sich ja als Ente rausstellte).

Links:

via.

Über den Zusammenhang von Copyright und Geld

Man kann reich werden ohne Copyright und wenig Geld verdienen trotz gesicherter Rechte, man kann, obwohl man durch Musik reich geworden ist, Zukunftsressourcen verspielen und mit den Ideen anderer Geld verdienen, ob es das Urheberrecht nun erlaubt oder nicht.

Diese These ist mit einigen Beispielen auch aus der Vor-Tauschbörsenzeiten leicht zu belegen. Wolfgang Amadeus Mozart bekam für ein Engagement als Pianist 1000 Gulden. Im Jahr verdiente er 10.000 Gulden. Wikipedia gibt an, dass Mozarts Zimmermädchen einen Gulden im Monat bekam, Mozart war also ein Top-Verdiener. Und das, obwohl in ganz Europa munter Notenblätter mit Mozart-Kompositionen gedruckt wurden, es gab schließlich noch kein Copyright. Link.

Malte Welding in Netzzeitung über das Gejammer der Musikindustrie und was Mozart und DJ Ötzi gemeinsam haben.

Privatssphäre

Das deutsche Bundesverfassungsgericht will seine mit Spannung erwartete Eilentscheidung über die umstrittene Vorratsdatenspeicherung [VDS] rasch verkünden. “Wir beabsichtigen, noch im März zu entscheiden”, sagte Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier am späten Mittwochabend in Karlsruhe. Nähere Angaben dazu machte er nicht.

Link.

Die EU-Kommission will die Schutzfristen für Tonaufnahmen von 50 auf 95 Jahre verlängern. Ein entsprechender Vorschlag von EU-Binnenmarktkommissar Charles McCreevy soll noch vor der Sommerpause eingebracht werden.

Link.

Der Umstand ist seit 2004 bekannt. Damals machte das US-Magazin “PC World” darauf aufmerksam, dass zahlreiche namhafte Druckerhersteller auf den Dokumenten, die mit Farblaserdruckern und -kopierern erstellt werden, versteckt deren Seriennummern aufbringen.

Das geschieht durch gelbe Punkte, die mit bloßem Auge auf den Ausdrucken kaum erkennbar sind und aus deren Positionen auf dem Papier die US-Behörden und Geheimdienste mittels eines speziellen Verfahrens die Seriennummer des Druckers auslesen können. Die US-Dienste wollen damit Geldfälschern auf die Spur kommen.

Link.