Tag Archives: urheberrecht

5 Fragen an Österreichs Parteien zum Urheberrecht

Sehr interessant: Die FutureZone stellte den Parteien, die derzeit im österreichischen Nationalrat vertreten sind, 5 Fragen zum Thema Urheberrecht:

Sollen in Österreich Software-Patente nach US-amerikanischem Vorbild eingeführt werden?

SPÖ
Nein, nicht einmal daran denken. Die amerikanische Erfahrung mit “ihren” Software-Patenten ist katastrophal.

ÖVP
Der Diskussionsprozess dazu findet auf europäischer Ebene statt. Wichtig ist, dass Europa weiterhin wettbewerbsfähig bleibt.
Gleichzeitig sollen aber Software-Patente nur tatsächliche Innovationen schützen. Einen Missbrauch von Software-Patenten, der die Dynamik der Software-Branche behindert, lehnt die ÖVP ab.

Grüne
Nein. Das System des Patentrechts passt nicht zum Schutz der bei der Programmierung nötigen abstrakten Ideen. Eine Patentierung von Ideen behindert den Fortschritt, nützt großen, finanzstarken Konzernen und schadet Klein- und Mittelbetrieben. Software ist durch das Urheberrecht ausreichend geschützt.

Die Europaparlamentarierin der österreichischen Grünen, Eva Lichtenberger, war führend und meinungsbildend an der Verhinderung entsprechender Pläne im EU-Parlament beteiligt.

FPÖ
Nein, Software ist eher als Idee denn als Erfindung zu klassifizieren. Das Urheberrecht ist hier anwendbar und auch ausreichend.

BZÖ
Diese Frage stellt sich derzeit nicht.

LIF
Nein. Nicht förderlich für den Standort Österreich. Behindert Innovation viel eher, als es nützt.

Die Antworten sind, meiner Meinung nach, recht ähnlich, was ich doch erfreulich finde. Alle 5 Fragen kann man im FutureZone-Artikel nachlesen. Link.

Es gibt auch Fragen und Antworten zu den Themen E-Government und zur IT-Infrastruktur.

Peter Moore von EA Sports hält nichts von Klagen gegen die eigenen Kunden

Endlich mal einer aus der Contentindustrie der zumindest Ansatzweise das 21. Jahrhundert versteht:

“Ich bin kein sonderlicher Freund davon, die eigenen Kunden zu bestrafen”, so Moore im O-Ton. Das Downloaden von Spielen aus Tauschbören, klassifiziert er zwar selbst auch eindeutig als “Diebstahl”, die Industrie müsse aber bessere Lösungen für dieses Problem finden, als immer nur mit dem Gericht zu drohen.

Link zum Standard-Artikel.

Ars Electronica Festival 2008: A New Cultural Economy

Wer zwischen 4. und 9. September in Linz ist, sollte unbedingt die Ars Electronica besuchen, Thema diesmal: “A New Cultural Economy”.

Und wenn der künstlerische Direktor Sachen wie diese sagt, dann kann das nur großartig werden:

Es ist dringend notwendig, den Bereich des Urheberrechts, des Copyrights und der Patente neu zu ordnen, denn die dafür gültigen gesetzlichen Grundlagen stammen aus dem vergangenen Jahrhundert.

[...]

Das Zeitalter von Copyright und geistigem Eigentum ist abgelaufen.

Artikel “Wer nicht offen ist, stirbt aus” in der Futurezone.

Ach ja, und die Wikipedia ganz allgemein über die Ars Electronica:

Es ist das international bedeutendste Festival der digitalen Kunst, das Trends und langfristige Entwicklungen zukunftsorientiert in Form künstlerischer Werke, Diskussionsforen und wissenschaftlicher Begleitung vorstellt. Link.

Urheberrecht: Tanzendes Baby besiegt Universal vor Gericht

Die Vorgeschichte: Baby tanzt zum Prince-Song “Let’s Go Crazy”; Mutter lädt das Video auf YouTube; Universal, das die Rechte an dem Song hält veranlasst das Löschen des Videos; Mutter holt sich Hilfe von der EFF und verklagt Universal.

Jetzt hat das Gericht entschieden, dass im Rahmen von Fair-Use Universal nicht das Recht hatte, das Video zu löschen. Universal hatte argumentiert das man nicht alles einzelnen überprüfen kann ob das nun Fair-Use ist oder nicht. Müssen sie aber, sagt das Gericht. Yeah!

Innerhalb von 20 Tagen kann sich Universal dazu äußern, danach wird entschieden ob Universal auch Schadensersatz zahlen muss.

Artikel in der FutureZone.

Nach dem Klick gibts das Baby-Video, das ehrlich gesagt ziemlich langweilig und lahm ist.

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Creative Commons auch in Österreich in Version 3

Seit Ende Juli ist die Creative Commons Lizenz in Deutschland in Version 3 verfügbar (Web Adventures berichtete) und jetzt 3 Wochen später auch in Österreich.

Link.

Creative Commons Deutschland in Version 3 verfügbar

Die deutschen Creative Commons Lizenzen sind nun in der Version 3.0 erschienen. Damit wurden sie den internationalen Lizenzen den aktuellen Entwicklungen der Urheberrechtsreform entsprechend angepasst. Deutschen Urhebern steht so eine einfache und bewährte Möglichkeit zur Verfügung, ihre Rechte dem eigenen Willen entsprechend mit anderen zu teilen.

Die Portierung wurde im Auftrag der Europäischen EDV-Akademie des Rechts durch John Hendrik Weitzmann als Projektleiter Recht von Creative Commons Deutschland gemeinsam mit dem so genannten √¢‚Ǩ≈ìAffiliate Team√¢‚Ǩ¬ù durchgeführt, einer am Saarbrücker Institut für Rechtsinformatik angesiedelten Gruppe wissenschaftlicher Mitarbeiter, Studierender und Rechtspraktiker.

√¢‚Ǩ≈ìDie Arbeit hat sich gelohnt√¢‚Ǩ¬ù, so John Weitzmann zum fertig gestellten deutschen Lizenzenset, √¢‚Ǩ≈ìdenn nun stehen auch den CC-Begeisterten hierzulande wieder Lizenzen zur Verfügung, die auf der Höhe der nationalen Rechtslage und dem letzten Stand der internationalen Weiterentwicklung der CCPL sind.√¢‚Ǩ¬ù Die Version 3.0 ist eine komplette Neuübersetzung der US-Originale.

Link. via.

Die Lizenzen sind derzeit natürlich nur für Deutschland in Version 3 verfügbar, die österreichische Version 3 fehlt leider noch.

Verlängerung der Schutzfristen für Tonaufnahmen

Die Futurezone hat ein Interview mit dem Urheberrechtsexperten Martin Kretschmer und dem Kulturökonomen Paul Stepan bezüglich der geplanten Verlängerung der Schutzfristen für Tonaufnahmen geführt. Letzten Mittwoch hat die EU-Kommission einen entsprechenden Richtlinienvorschlag verabschieded. Link:

ORF.at: Welche Auswirkungen hat die längere Schutzfrist auf die künftige Verwendung alter Tonaufnahmen, die nach der derzeit geltenden Regelung schon bald nicht mehr geschützt wären, etwa für Remixes, Samples oder Kompilationen?
Kretschmer und Stepan: Die Folgen einer Verlängerung sind vielfältig. Sie treffen nicht nur alle KonsumentInnen durch erhöhte Preise, sondern auch Rundfunkstationen und vor allem die Kreativen selbst. Der teuerste Nebeneffekt, den das Urheberrecht und die Leistungsschutzrechte verursachen, sind die so genannten Transaktionskosten, also Kosten, die durch die Klärung der Rechte, durch das Aushandeln der jeweiligen Verträge und durch Rechtsanwaltskosten entstehen.

Für viele Kreative sind genau diese Kosten der Grund, weshalb sie lieber nicht mit geschützten Materialien arbeiten, auch wenn sie diese weiterentwickeln wollen oder Derivate herstellen wollen. Das trifft insbesondere die Verwendung von Teilen von Werken für Remix oder die Kompilierung von Samplern. In vielen Fällen ist alleine die Klärung der Rechte bereits so aufwändig, dass nicht einmal der Versuch dazu unternommen wird, obwohl die Rechteinhaber eventuell erfreut und nicht einmal eine Entschädigung verlangen würden.

Seit Beginn der Diskussionen um Immaterialgüterrechte vor drei Jahrhunderten wusste bereits Adam Smith, dass diese Rechte nicht nur Anreize darstellen, kreativ und innovativ tätig zu werden, sondern dass sie gleichzeitig auch als Innovationsbremse fungieren. Hier die richtige Balance zu finden, ist Aufgabe der Politik. Dieses Verhältnis zu Gunsten der Musikindustrie zu kippen, ist Aufgabe von LobbyistInnen.

Über den Zusammenhang von Copyright und Geld

Man kann reich werden ohne Copyright und wenig Geld verdienen trotz gesicherter Rechte, man kann, obwohl man durch Musik reich geworden ist, Zukunftsressourcen verspielen und mit den Ideen anderer Geld verdienen, ob es das Urheberrecht nun erlaubt oder nicht.

Diese These ist mit einigen Beispielen auch aus der Vor-Tauschbörsenzeiten leicht zu belegen. Wolfgang Amadeus Mozart bekam für ein Engagement als Pianist 1000 Gulden. Im Jahr verdiente er 10.000 Gulden. Wikipedia gibt an, dass Mozarts Zimmermädchen einen Gulden im Monat bekam, Mozart war also ein Top-Verdiener. Und das, obwohl in ganz Europa munter Notenblätter mit Mozart-Kompositionen gedruckt wurden, es gab schließlich noch kein Copyright. Link.

Malte Welding in Netzzeitung über das Gejammer der Musikindustrie und was Mozart und DJ Ötzi gemeinsam haben.

Eine Geschichte: Die goldene Fresse des Frank K.

Disclaimer: Die folgende Geschichte und deren Charaktere sind vollkommen frei erfunden. Übereinstimmungen mit realen Ereignissen sind zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt.

Frank K.

Ich erzähle euch heute eine Geschichte. Die Geschichte handelt vom Brötchen, Brezeln und Eistee und von Frank* und Maria*. Frank und Maria sind verheiratet und weil Maria so gern kocht, betreibt sie eine Seite mit dem Namen Marias Kohlbuch*. Dort gibt es ganz viele tolle Rezepte, mit tollen Fotos die der Frank gemacht hat, und weil Frank sich auch mit Suchmaschinenenoptimierung auskennt, dauert es nicht lange und die Rezepte und die Bilder sind in Google ganz weit oben. Jetzt finden auch viele andere Mensche die tollen Rezepte aus Marias Kohlbuch und ein paar von ihnen nehmen die tollen Bilder und stellen sie auf ihre Webseite. Oder in das Forum eines anderen. Irgendwann merkte der Frank das und weil er ein schlaues Bürschchen ist holte er sich einen Antwalt und verklagte sie. Weil sie Fotos von Brötchen, Brezeln, Eistee, Zwiebeln, usw verwenden.

Immer mehr Menschen werden von Frank und Maria verklagt und ein paar Jahre später wird sogar die ARD auf Maria, Frank und das Kohlbuch aufmerksam. Die ARD macht einen Beitrag für plusminus und interviewt Betroffene, deren Anwälte und einen Webdesigner. Und den Frank. Wow. Wer hätte das gedacht, unser Frank ist im Fernsehen. An diesem Punkt der Geschichte sollte ich erzählen das der Frank der Böse ist. Denn jetzt kommt einer der Guten ins Spiel. Und das ist der René. Der René bloggt meistens über Schwachsinn: Star Wars, Science Fiction, Roboter & Vampire. Aber manchmal schreibt er auch über Copyright, Abmahnungen und das alles. Der René hat auch den Frank in der ARD gesehen und dann hat er darüber geschrieben. Damit das Ganze nicht so langweilig ist, hat er seinen Beitrag mit einem Screenshot illustriert. Und wurde abgemahnt. Vom Frank. 3500 Euro soll der René für die Fresse vom Frank jetzt zahlen.

Der René zieht sich daraufhin sein Superman Spiderman Hulk-Kostüm an und haut dem Frank so richtig in die Fresse rein.

* Namen von der Redaktion geändert

Diese Geschichte wurde inspiritiert durch.

Man muss das Gute im Schlechten sehen

Sogar die Vorratsdatenspeicherung hat gute Seiten:

Das Urheberrecht wäre im Internet de facto außer Kraft gesetzt und die Rechteinhaber insofern enteignet.

derStandard.

Der Artikel bezieht sich nur auf Österreich. Keine Ahnung ob das in Deutschland auch der Fall ist.